Tipps vom THW Energie, Dokumente, Medikamente: Das sollte jeder in Hildesheim bei der persönlichen Vorsorge für den Katastrophenfall bedenken

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Artikel der Hildesheimer Allgemeine Zeitung v. 30.09.2025 Hildesheim - Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, sich für Stromausfälle, Naturkatastrophen oder den Verteidigungsfall einen Essensvorrat für ein paar Tage anzulegen. Doch bei der Vorsorge gibt es noch mehr zu bedenken: Das Hildesheimer THW gibt Tipps zu Aspekten, die nicht jeder auf dem Schirm hat.

Hildesheim - Kürzlich waren viele Hildesheimer Haushalte nach einem Wasserrohrbruch tagelang von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten, in Berlin waren Teile der Stadt jüngst ohne Strom – ebenfalls mehrere Tage. Und wenn der Strom fehlt, geht heutzutage so gut wie nichts mehr, von der Zentralheizung zu Hause bis hin zu Ampeln oder Supermarktkassen. Die Wahrscheinlichkeit, sich durch Ausfälle einmal mehrere Tage selbst versorgen zu müssen, wächst: Naturkatastrophen werden durch den Klimawandel häufiger, die internationale Sicherheitslage war seit vielen Jahren nicht so angespannt. „Wir sind nicht mehr im kompletten Frieden“, sagt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Grund genug, sich auch zu Hause besser auf mögliche Ausnahmezustände vorzubereiten. Das empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) schon seit Jahren.

Keine Hamsterkäufe

Dieser Empfehlung schließt sich das Technische Hilfswerk (THW) in Hildesheim an. Der Ortsbeauftragte Rainer Engelke appelliert aber, das sensible Thema vernünftig anzugehen. Es gehe auf keinen Fall um Hamsterkäufe. Was an haltbaren Lebensmittelvorräten für den Ernstfall sinnvoll ist, haben zwei THW-Helfer aus Sarstedt kürzlich im Rahmen eines Testeinkaufs demonstriert. Engelke geht nun auf eine Reihe anderer wichtiger Aspekte ein.

Eine zentrale Frage ist: „Bin ich auf einen Energieausfall vorbereitet?“ Engelke rät dazu, immer Kerzen, Taschenlampen, Camping- oder Outdoorlampen, LED-Leuchten, Ersatzbatterien in ausreichender Menge, Streichhölzer oder Feuerzeuge vorzuhalten. Außerdem: Elektronische Geräte und Kommunikationsmittel, Ersatzakkus und Powerbanks (die es auch mit Solarantrieb gibt) sollten immer regelmäßig aufgeladen werden. Ein wichtiges Hilfsmittel kann laut Engelke im Notfall ein Radio sein, das mit Batterien oder sogar mit einer Kurbel betrieben wird. Denn es kann sein, dass andere Informationsquellen wie Internet oder Fernsehen bei einem Stromausfall lahmgelegt sind.

Autos am besten immer volltanken

Auftanken: Das sollte nicht nur für Elektrogeräte gelten. „Fahrzeuge sollten möglichst immer vollgetankt oder aufgeladen abgestellt werden“, sagt der THW-Ortsbeauftragte. Denn: Bei einem großflächigen Stromausfall dürfte auch die Technik der Tankstellen nicht mehr funktionieren. Das gilt auch für Geldautomaten oder die Kartenzahlung an Ladenkassen. Deshalb der Rat: „Immer eine Bargeldreserve behalten!“

Wenn der Herd und der Wasserkocher zu Hause nicht mehr funktionieren, kann ein gasbetriebener Campingkocher oder ein Holz-, Gas- oder Kohlegrill eine Alternative sein, freilich nur, wenn auch die entsprechenden Brennstoffe vorrätig sind. Engelke mahnt, einen Grill auch im Notfall nur im Freien zu verwenden, in der Wohnung bestehe Erstickungsgefahr. Die Brandgefahr steigt allerdings auch drinnen durch das Nutzen von Kerzen und Co. Deshalb, so eine weitere Empfehlung des THW-Helfers, sollte jeder Haushalt einen funktionierenden Feuerlöscher besitzen. Denn: Im Brandfall wäre ja bei einem längeren Stromausfall unter Umständen auch kein telefonischer Notruf möglich, um die Feuerwehr zu alarmieren.

Vorrat von Hygieneartikeln

Was ist, wenn – wie kürzlich in Hildesheim – die Trinkwasserversorgung ausfällt? Falls das absehbar ist, sollten Betroffene genügend Wasser in geeigneten Behältern wie Badewanne oder Kanister sammeln – auch für die Toilettenspülung. Wasser kann mit Entkeimungsmitteln, zum Beispiel Tabletten, auch länger haltbar gemacht werden. Bleibt es plötzlich und unerwartet tagelang weg, können andere Formen der Vorsorge helfen. Engelke empfiehlt für diesen Fall, einen kleinen Vorrat von Hygieneartikeln anzulegen: vom Handwaschmittel über Trockenshampoo bis hin zu Feuchttüchern, Haushaltshandschuhen und Desinfektionsmittel. Ein Müllsack kann auch als Not-Toilette dienen. Der Ortsbeauftragte rät außerdem, mit Wasser sparsam umzugehen und ausnahmsweise Einweggeschirr zu verwenden, um das Abwaschen zu sparen. Das muss man dafür natürlich auch im Haus haben, denn in einem Katastrophenfall kann es auch immer mal schwierig sein, schnell etwas Benötigtes einzukaufen. Der Grundsatz lautet quasi immer: Besser haben als brauchen ...

Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sollte laut Engelke darauf achten, dass er oder sie immer eine gewisse Menge als Puffer übrig hat, falls es kurzfristig keinen Ersatz aus Arztpraxis oder Apotheke gibt – was zum Beispiel daran liegen könnte, dass auf dem Land einmal wegen Schneefalls für mehrere Tage der Verkehr und die Versorgung zusammenbrechen – auch wenn das sehr unwahrscheinlich ist. „Man denkt in Szenarien und bereitet sich auf das Undenkbare vor“, sagt Engelke. Die Wahrscheinlichkeit sollte kein Kriterium für eine Vorsorge in überschaubarem Aufwand sein, meint er und orientiert sich mit allen Tipps an einem „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, der auch auf dessen Internetseite heruntergeladen werden kann.

Autoverbandskasten im Haus

Was die Medikamente betrifft, rät der THW-Helfer allen Bürgerinnen und Bürgern, immer Schmerz- und Fiebertabletten sowie Mittel gegen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen – wozu es bei mangelnder Hygiene durch fehlendes Wasser eher kommen kann – im Haus zu haben. Und: einen Autoverbandskasten, am besten auch Wunddesinfektionsmittel und eine Splitterpinzette.

Im Katastrophenfall, welcher Art auch immer, sollte man auch immer mit einer Evakuierung rechnen. Für diesen Fall empfiehlt es sich, alle wichtigen Dokumente in einer Mappe zusammenzustellen, die dann mitgenommen werden kann. Die Schriftstücke sollten auch abfotografiert und als Bild-Dateien auf einem USB-Stick gespeichert werden. „Die kann man auch mit in den Urlaub nehmen und hat dann alles dabei“, sagt Engelke, „die Bilder kann man bei Bedarf auch über den Fotodrucker einer Drogerie ausdrucken.“ Im Detail rät der THW-Ortsbeauftragte, wieder mit Bezug zum BBK, folgende Unterlagen zu sichern: Geburtsurkunden, Stammbuch, Personalausweise, Reisepässe, und Krankenversicherungsnachwise (jeweils für alle Haushaltsmitglieder), Versicherungsunterlagen und Einkommensbescheinigungen, Zeugnisse und Qualifizierungsnachweise, wichtige Verträge und Bescheide, Führerscheine und Fahrzeugpapiere, Grundbuchauszüge und Finanzunterlagen, Patienten- oder Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und Testament.

In der erwähnten Broschüre des BBK finden sich Checklisten zum Abhaken. Engelke weist noch auf einen Aspekt hin, der vielen Menschen kaum bewusst sein dürfte: Der eigenverantwortliche Selbstschutz jedes Bürgers und jeder Bürgerin gilt im Verteidigungs- oder Katastrophenfall als unverzichtbare Ergänzung allen staatlichen Handelns. Damit sind alle offiziell zur privaten Vorsorge aufgerufen – mit Augenmaß.

 

www.hildesheimer-allgemeine.de/meldung/energie-dokumente-medikamente-das-sollte-jeder-in-hildesheim-bei-der-persoenlichen-vorsorge-fuer-den-katastrophenfall-bedenken.html

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